Stephan Pust

Transformationsberatung & Training

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Inspiration - Dezember 2018 „Führungskräfte als Vorbilder“?

„Führungskräfte sollen Vorbilder sein“, lautet eine zentrale Botschaft, die (un-)ausgesprochen noch immer in den Führungsgrundsätzen von vielen Unternehmen steckt. Diese Anforderung an eine Führungskraft bedarf dringend einer Überprüfung.

Schließlich ist der Begriff Vorbild nicht klar umrissen definiert. So schreibt etwa Professor Hans Mendl: „Dassemantische Feld des Vorbildbegriffs umfasst die ganze Palette von Modellen, Stars, Idolen, Helden, Heiligen –die Begriffe entziehen sich oft einer exakten Definition.“

Führungskräfte als Vorbilder zu empfehlen steht überdies in der Tradition eines Verständnisses von Führung, die heute angesichts des voranschreitenden Prozesses digitaler Transformation in Unternehmen nicht mehr zeitgemäß ist.

Die Leiterin Personalwesen und Mitglied des Vorstandes der Siemens AG, Janina Kugl, fordert zu Recht:„Wir müssen raus aus dem hierarchischen Denken. Es gilt, horizontal zu denken und zu führen.“

Eine Unternehmenskultur, die Nachahmung und Identifikation mit dem Vorgesetzten „als Vorbild“ eingefordert Und gefördert hat, muss endlich überwunden werden. Heute sind Vorgesetzte gefragt, die auf Augenhöhe führen. Eine adäquate Führungskultur im digitalen Zeitalter beschreibt dabei ein Modell, dass Professor Thorsten Petry skizziert hat. Eine Vertrauenskultur im Unternehmen bildet dabei die notwendige Basis für erfolgreiche Führung, „denn ohne sie ist Offenheit und damit dann auch Vernetzung, Partizipation und Agilität nicht möglich“, so Petry.

Wie fragwürdig das Vorhalten kollektiver Leitbilder an sich ist, zeigt übrigens bereits Siegfried Lenz in seinem bereits 1973 erschienen Roman „Das Vorbild“. Schulbuchexperten, die für ein Lesebuch eine Liste ausgewählter Vorbilder zusammenstellen sollen, scheitern am Ende daran. Nicht zuletzt deshalb, weil sich bei Ihnen die Einsicht durchgesetzt hat, dass es viel besser ist, Individuen selbst entscheiden zu lassen, wen sie als eine Vorbildliche Person sehen.